IBAM an der Uni Witten/Herdecke

Integriertes Begleitstudium Anthroposophische Medizin

Forschung

Erweiterungsansatz im IBAP

Die neurowissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahren gerade auch mit Blick auf psychologische Fragestellungen erhebliche Fortschritte gemacht. So wurden die neuronalen Grundlagen psychischer Prozesse (z.B. Bewusstsein, Emotionen und Kognitionen) erforscht. Psychologische Phänomene bestehen jedoch nicht nur aus neuronalen/biologischen Anteilen – sie zeichnen sich vielmehr auch durch qualitative Erlebensanteile aus (z.B.: „wie fühlt sich Bewusstsein an“); und weiterhin durch konzeptuelle Erkenntnisanteile (z.B. „welche Einsichten werden mir durch bewusstes Nachdenken ermöglicht – und wie gelange ich zu diesen Einsichten“). Ziel ist es in diesem Zusammenhang, an den Methoden zur Erforschung der Erlebens- und Erkenntnisseite psychischer Ereignisse zu arbeiten und so auch ein erweitertes inhaltliches Verständnis dieser Aspekte zu ermöglichen. Auf diese Weise wird neben einem Blick auf die biologische Seite unseres Menschenbildes auch ein Verständnis für die geisteswissenschaftlichen Anteile möglich – für die Erlebensfähigkeit (Seele) und die Erkenntnisfähigkeit (Geist).

Ein solches erweitertes Menschenverständnis ist gerade auch für die praktische Medizin und Psychotherapie wichtig und hat dort auch bereits verschiedentlich Eingang gefunden: Gerade in dieser praktischen Medizin und Psychotherapie kommt es nicht nur auf physiologische Verhaltensäußerungen in der Pathologie einer jeweiligen Krankheit an, sondern z.B. auch ganz konkret auf das unmittelbare Erleben der Patienten als einen wichtigen Maßstab für ihr Wohlbefinden; und auf Erkenntnis- und Sinnfindungsaspekte in der Auseinandersetzung mit Gesundheit und Krankheit. Hier gibt es auch weiterhin ganz erhebliches Entwicklungs- und Forschungspotential. Ein solcher erweiterter Ansatz stellt auch eine Bereicherung des Forschungsschwerpunktes Integrative und personalisierte Gesundheitsversorgung dar, wie er derzeit an der Fakultät für Gesundheit der UW/H maßgeblich ist. Darauf aufbauend ist uns daran gelegen, zentrale psychologische Grundkonzepte (z.B. Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Intentionalität, Selbst, Bewusstsein) aus einem um die Erlebens- und Erkenntnisanteile erweiterten geisteswissenschaftlichen Psychologie-Verständnis heraus aufzuarbeiten.

Passend zu diesem Thema und anläßlich des 100. Todestag Franz Brentanos fand in der Universität Witten/Herdecke das
Symposium "Die philosophischen Grundlagen der Psychologie" statt - der Deutschlandfunk berichtet
Podcast


Veröffentlichungen in diesem Zusammenhang

  • Weger, U.W., & Wagemann, J. (2015). The behavioral, experiential and conceptual dimensions of psychological phenomena: Body, soul and spirit. New Ideas in Psychology, 23-33.
  • Weger, U.W., & Wagemann, J. (2015). The challenges and opportunities of first-person inquiry in experimental psychology. New Ideas in Psychology, 36, 38-49.
  • Weger, U.W., & Edelhäuser, F. (2014). The role of the brain in conscious experience. In search of a new metaphor. Journal of Consciousness Studies, 21, 111-129.
  • Heusser, P. (2011). Anthroposophische Medizin und Wissenschaft. (insbesondere Kapitel 4: Empirische Psychologie und die Realität des Seelisch-Geistigen). Schattauer Verlag, Stuttgart
  • Heusser, P.; Selg, P. (2011). Das Leib-Seele-Problem. Verlag des Ita Wegman Instituts, Arlesheim

In Zusammenarbeit mit Studierenden der Universität Witten/ Herdecke:

  • Thye, M., Böhme, J. & Krebber, J. (2016). Ich und Wissenschaft: Spiritualität - ein akademisches Thema? In: Psychologie, Bewusstseinsforschung und Heilung im Kontext westlicher Spiritualität. Würzburg: Köningshausen& Neumann GmbH.