Was ist Anthroposophische Medizin?

Bei der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen spielen nicht nur körperliche Faktoren eine Rolle. Auch seelische sowie geistige Anteile (u. a. Wahrnehmung, Denken, Fühlen und Willenskräfte) sind von Bedeutung. Die erkrankte Person darf und soll ihre individuellen Möglichkeiten (z. B. Widerstandsfähigkeiten, innere Stärke und den Willen) nutzen, um den Therapie- und Heilungsprozess aktiv mitzugestalten. Therapieformen wie Heileurythmie (eine künstlerische Bewegungstherapie), Biographiearbeit, äußere Anwendungen, Naturheilmittel sowie verschiedene Kunst- und Körpertherapien unterstützen die klassische Medizin.

Der Arzt (…) hat die Aufgabe, dem Kranken zu helfen, seinen Freiheitsgrad so weit wie möglich zu erhöhen. Die beiden Pfeiler, die Liebe zur Wahrheit und die Liebe zum leidenden Menschen sollen die Motive sein, die unsere Arbeit leiten.

PD Dr. med. Gerhard Kienle (1923-1983), Initiator und Mitbegründer der Universität Witten/Herdecke

Wie verbindet sich das IBAM mit dem Medizinstudium?

Das Integrierte Begleitstudium Anthroposophische Medizin knüpft an die Inhalte des regulären Medizinstudiums in Witten/Herdecke an.

Es fügt sich über sechs Jahre in den Ablauf des Curriculum des Modellstudiengangs Humanmedizin der UWH ein. Mit dem Studiumsbeginn, in der Zeit des Problemorientierten Lernens im Modellstudiengang, stehen die Beschäftigung mit dem Menschen als Ganzem (Anthropologie) und eine erweiterte, u.a. die Fächer Anatomie, Physiologie und Biochemie übergreifende und integrierende Sicht im Vordergrund.

Im Verlauf der klinischen Phase und der vielen praktischen Einsätze wird Anthroposophische Medizin in den Kliniken im unmittelbaren Patientenkontakt vertieft. Im letzten Studienjahr kann das Praktische Jahr (oder Teile davon) unter anthroposophisch erweiterter Perspektive in entsprechenden Krankenhäusern oder Praxen absolviert werden.

Der Zeitaufwand beträgt pro Woche zusätzlich zwei Unterrichtseinheiten und zwei zusätzliche Wochenendtage im Semester, wenn man alle angebotenen Veranstaltungen besucht. Einige Veranstaltungen, besonders die Praxiseinsätze im Krankenhaus, sind auf das Medizinstudium voll anrechenbar.